Russland – Georgien

Gerade eben habe ich mal wieder Gruppen im SchülerVz durchschaut und bin dabei auf die Gruppe “Georgien und Russland – Stoppt diesen sinnlosen Krieg!”. Auffällig war dabei der Beschreibungstext:

“Die Gruppe ist für Leute, die ebenfalls gegen diesen sinnlosen Krieg zwischen Georgien und Russland sind. Ich frage mich wirklich, wie man für ein Stück Land, wichtig hin oder her, Menschenleben opfern kann!” – Zitat Gründer der Gruppe

Interessant ist meines Erachtens besonders der von mir dick markierte Teil. Denn geht es wirklich in erster Linie um das Land?

Ich denke nein, denn an Land hat Russland prinzipiell genug. Ich denke es ist eher ein “Symbol” und das sogar aus verschiedenen Blickwinkeln.

Zum einen will Russland, so denke ich, Angst machen, symbolisieren, dass man sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt und jeder der es wagt sich aufzulehnen mit aller Härte niedergestreckt wird. Oder wieso ist man nicht auf den Waffenstillstand eingegangen?

Des weiteren denke ich, dass Russland damit die EU und die USA ein bisschen ärgern will. Oder ist es ein Zufall, dass gerade Georgien besetzt wird, der Sympathisant der USA im Kaukasus – immerhin schickte um GIs um das Militär Georgien fortzubilden – und ein Anwärter des Beitritts in die EU? Nebenbei ist Georgien im Kaukasus mit – weitem – Abstand der demokratischte Staat.

Also meines Erachtens handelt es sich hier nicht in erster Linie um territoriale Macht, sondern um eine Nachricht, die verbreitet werden soll.

Insgesamt erinnert mich die Art und Weise des Einmarsches nach Georgien sehr an 1953, als Russland, damals noch unter der Flagge der Sowjetunion, in Ungarn einmarschierten und 1968 in Tschechien.

Bleibt abzuwarten, wie sich das Entwickelt. Der Gruppe bin ich trotzdem beigetreten.


 
 
 

6 Kommentare zu “Russland – Georgien”

  1. Fabian
    27. August 2008 um 16:28

    Der Konflikt ist geht natürlich über einen “einfachen Krieg um Grenzen” weit hinaus. Russland wird sich – nicht nur seit kurzem – bedrängt fühlen. Schließlich ist die NATO (ein Westbündnis!) vom Westen Europas bis vor Russland (z.B. Estland) gerückt und nun ist Georgien auch noch potenzieller Mitgliedskandidat für die NATO…
    Außerdem ist Südossetien auch kein kulturell oder ethnisch “reines” Gebiet – da spielen viele Interessen mit…

    Bzgl. der Gruppe im SchülerVZ: Wenigstens hat man nicht geschrieben “Ich habe keine Ahnung wo Südossetien liegt, aber ich finde es ganz schlimm was da passiert.”

  2. Raimund
    6. September 2008 um 16:56

    Max, es ist ein wenig naiv zu sagen, dass es Russland jemandem Angst oder gar Ärger machen will. Zudem ist der Vergleich mit 53 (53 war übrigens die DDR der Schauplatz; der Ungarnaufstand den du vermutlich meinst, passierte 56) und 68 sind alles andere als passend.
    Bei den aufgeführten Konflikten mit der SU handelte es sich um Bestrebungen nach Systemänderung (und damit nach Autonomie von Moskau) im klaren Einflussbereich der SU. Im Georgienkonflikt unterstützt hingegen Moskau die Provinzen Abchasien und Südossetien, die Autonomie von einem Land haben wollen, dass sich nach dem Zusammenbruch des Kommunismus dem Westen zugewandt hat.
    Die Nato braucht Georgien als Transitland für Militär und Öl/Gas und das ist gleichzeitig die Gefahr für Russland. Es kann aus geopolitischen (Einkesselung durch NATO-Staaten) und historischen (”Washingtons Machtgewinn in Moskaus Hinterhof”, weitere Demütigung durch Westen (Bsp.: Kosovo)) Gründen nicht zulassen, dass Georgien vollkommen ins westliche Lager übergeht.
    Da Russland aber offensichtlich dazu nicht in der Lage ist folgern drei wichtige Punkte, warum für Russland die neuen “Staaten” Südossettien und Abchasien wichtig sind:
    * Destabilisierung Georgiens
    –> Geringere Attraktivität für westliche Länder und Konzerne (evtl Verhinderung einer Nato-Mitgliedschaft)
    * Die zwei neuen Staaten als sichere Pfeiler russischer Interessen
    * Befriedigung nationaler Großmachtsträume (was du als Symbol ansprichst)

    Wenn du einen Vergleich willst, zieh ihn mit dem deutschen Einmarsch in der Tschechesslowakei – auch wenn damals Deutschland zur Großmacht aufschwang und Russland nun nur noch den verzweifelten Versuch Macht, den weiteren vorprogrammierten Absturz aufzuhalten.

  3. Max
    6. September 2008 um 17:36

    es ist ein wenig naiv zu sagen, dass es Russland jemandem Angst

    Du willst also sagen, es sei naiv zu denken, dass Russland die ‘Rolle’ als gefürchtete Großmacht nicht spielen will? Glaube ich nicht, denn warum so gewaltsam in Georgien einmarschieren? Das ganze hätte man definitiv mit weniger Gewalt lösen können. Dass dies die russische Regierung nicht begriffen hat, nehme ich nicht an.

    Insgesamt erinnert mich die Art und Weise des Einmarsches nach Georgien sehr an 1956, als Russland, damals noch unter der Flagge der Sowjetunion, in Ungarn einmarschierten und 1968 in Tschechien.

    Der Grund ist ein anderer, das ist mir klar. Gemeint war aber die harte Vorgehensweise. Und in dieser Hinsicht ist der Vergleich treffend.

  4. Raimund
    6. September 2008 um 18:23

    “Das ganze hätte man definitiv mit weniger Gewalt lösen können. Dass dies die russische Regierung nicht begriffen hat, nehme ich nicht an.”

    Du willst mir nicht sagen, dass du meinst Russland hätte auch auf diplomatischem Weg das georgische Militär dazu gebracht, Südossetien zu räumen? Und nun ja, wenn das eine Militär das andere Militär irgendwo nicht haben will dann ist idR Gewalt das Mittel der Wahl.

    Wenn du den Vergleich anhand von der Vorgehensweise (Einmarsch & Besetzen) auswählst – da wirst du noch einige mehr finden ;o)

    P.S.: Die rote Armee ist immer noch nicht 1953 in Ungarn einmarschiert :P

  5. Max
    6. September 2008 um 19:07

    P.S.: Die rote Armee ist immer noch nicht 1953 in Ungarn einmarschiert :P

    Das ist mir bewusst. War halt im eifer des Gefechts.

    idR Gewalt das Mittel der Wahl.

    Ja, stimmt. Aber du kannst Gewalt durchaus in verschiedenen stärken walten lassen. Und das, was in Georgien passiert ist, war durch und durch nicht gerade wenig Gewalt.
    In Georgien hat man länger geschossen, als es notwendig gewesen wäre.(Mal über die Tatsache hinweg gesehen, dass es eigentlich nie notwendig oder sinnvoll ist zu schießen…)

  6. Raimund
    7. September 2008 um 09:29

    3 Tage (russische Bodent sind für dich lange? (Dann wird es langsam für dich Zeit, was über z.B.: den Darfur-Konflikt zu schreiben ;-) )

    Russland hätte militärisch auch ohne Probleme bis 25km vor Tiflis vorrücken können: das wäre dann ein deutliches Zeichen gewesen, das aber auch die Wahrnehmung von Russland zu stark ins Negative hätte abgleiten lassen. Ganz die Rationalität kann man Medwedew also doch nicht absprechen.

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