Also, jetzt habe ich meine Arbeit erledigt. Und ich will das Ergebnis niemandem vorenthalten:
zwei Tage aus einem Leben
„Was ist das denn? Habe ich mich verlaufen?” Das war der einzige Gedanke, den Olaf hatte, als er dieses komische neue Futter probierte, das er statt seines vorzüglichen gewohnten Futters mit Rind oder Hühnchen in seinem Fressnapf fand.
„Er wird sich nur in der Dose vergriffen haben” versuchte er sich zu trösten und begann mühsam den Topf, der ihm heute ganz besonders voll schien, Bissen um Bissen zu leeren. Währendessen ärgerte er sich, dass er keine Hände hat, mit denen er sich die Nase hätte zuhalten können, das immerhin hätte den Geschmack für ihn vielleicht ein bisschen erträglicher gemacht .
Nach dieser Mahlzeit war ihm das erste Mal in seinem Leben übel. So übel, dass er soweit ging zu versuchen, sich von der Übelkeit mit Sport abzulenken. Was für ihn ein ziemlich abartiger Gedanke war, denn er war faul. Er genoss es eigentlich, vor dem Fernseher zu liegen, von Herrchen gekrault zu werden und in den Werbepausen ein Nickerchen zu halten. Er begann also, wie wild im Wohnzimmer im Kreis zu rennen. Nach ungefähr zweihundert Runden in einem Kreis, der einen Durchmesser von kaum zwei Metern hatte, taten ihm die Beine weh, deshalb entschloss er sich, die Übelkeit doch lieber mit Schlaf zu kompensieren.
Als er aufwachte, war die Übelkeit verflogen. Alles schien wieder mehr oder weniger normal: Sein Magen knurrte, aber das tat er für gewöhnlich immer, und Herrchen stand in der Küche und kochte. Den widerlichen Geschmack vom vorherigen Mahl hatte er schon wieder fast vergessen und freute er sich wie ein kleines Kind auf das Abendessen. Als er wenig später jedoch sah, was in seinem Fressnapf vor ihm stand, hätte er losheulen können: Es präsentierte sich ihm genau die selbe grüne Brühe, die ihm schon am Nachmittag so nett ins Gesicht gelächelt hatte. „Wo sind wir denn hier?” fragte er sich. Ausdruck verlieh er diesem Gedanken, indem er begann noch lauter als sein Magen zu knurren. Als er nur ein „Ach Olaf, das schmeckt dir sicher” von seinem Herrchen kassierte, begann er, weil sein Magen so furchtbar knurrte, frustriert zu fressen. Brach nach drei Bissen allerdings wieder ab, er wollte, nein, er konnte sich das nicht noch einmal antun. Sich halb damit tröstend, dass das morgen ja wieder vorbei sein könnte und die komische Laune, die von seinem Herrchen offensichtlich Besitz ergriffen hatte, verflogen sei, machte er das netteste Gesicht, zu dem ein Hund eben fähig ist und setzte sich vor sein Herrchen. Als auch das nichts brachte, entschied er sich, einfach hungrig ins Körbchen zu gehen.
Die Nacht war eine der übelsten, die er bis damals verbracht hatte, er wachte alle zwanzig Minuten auf, weil er solchen Hunger hatte. Er war sich sicher: Noch länger würde sein Herrchen ihn nicht mit dieser komischen Laune quälen, das wäre unmenschlich.
Die Sicherheit wich aber sehr schnell, als er, während er sein Herrchen mit großen, erwartungsvollen Augen anschaute, sah, dass dieses nicht eine der Dosen öffnete, die bis jetzt fester Bestandteil seines Hundelebens gewesen waren und die er zum letzten Mal vor zwei Tagen gesehen hatte.
Spätestens jetzt wusste er, dass sich die Laune seines Herrchens wohl nicht so schnell legen würde und er wusste auch, dass es jetzt an ihm läge, etwas zu essen zu beschaffen. Das war für ihn die Lösung: Eigeninitative. Ein wirklich schräger Gedanke für jemanden wie ihn.
Nur wo etwas zu essen beschaffen? Eine Frage, die er nicht so einfach beantworten konnte. Einen Augenblick lang war er fest davon überzeugt, jetzt eine Maus fangen zu gehen. Er ließ den Gedanken allerdings wieder schnell fallen, als er sich erinnerte, wie er immer gezittert hatte, als sein Herrchen sich einen ‘Horrorschocker’ im Fernsehen angesehen hatte. Zwar war er ein Hund, aber Mäuse, nein!
Nein, ihm musste etwas anderes einfallen. Nach einer längeren Zeit des Grübelns kam er auf die Idee, einfach Emma, der Katze von nebenan, mit deren Einstellung er im Allgemein nicht allzuviel zu tun hatte, ein bisschen beim Verzehr ihres Essens zu helfen. Angst davor Gewissensbisse davonzutragen, hatte er keine, denn er verstand nicht sonderlich viel von Moral - außerdem ging es hier um sein Leben.
Als er sich gerade auf den Weg machen wollte, um irgendwie aus dieser Wohnung zu kommen, sah er, wie sein Herrchen gerade den Schrank öffnete, in dem sein wertvolles Futter gelagert war - das heißt: hätte gelagert sein sollen. Was er vorher, beim Frühstück, nicht wahrgenommen hatte, war, dass der ganze Schrank von oben bis unten mit den Dosen, die offensichtlich dieses widerliche grüne Zeug enthielten, gefüllt war. Hätte er zählen können, hätte er festgestellt, dass es mindestens zweihundert sein mussten. Was aber selbst er feststellen konnte, war, dass es sehr viele waren. Zu viele für seinen Geschmack.
Und da begriff der Hund Olaf, dass sein Herrchen es sich zum Ziel gesetzt hatte, ihn zum Vegetarier zu machen
Noch eine ganz kurze Anmerkung: Der Text ist wesentlich tiefgründiger, als man annimmt. Ich werde das hier aber jetzt lieber nicht näher erläutern. Und jeder jetzt verwirrt ist, ist es zurecht… man kann es ohne Hintergrundwissen nicht verstehen.
Mal sehen. Vielleicht hat Olaf ja noch weitere Geschichten auf Lager ;).